Sind Tierversuche in der EU verboten? Auf diese Frage passt keine pauschale Antwort. Für mich war sie deshalb eine eigene Notiz wert: Eine Aussage über Kosmetik beantwortet noch nicht, wie Chemikalien für andere Verwendungen geprüft werden.
Aktualisiert am 11. September 2026: Die frühere Angabe von 2,2 Millionen Tieren haben wir entfernt, weil die verlinkte Quelle diese Zahl und den genannten Zeitraum nicht nachvollziehbar belegt. Die Frage bleibt wichtig, auch ohne eine große Zahl daneben.
Was hat die EU 2013 wirklich verboten?
Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 enthält Verbote für Tierversuche und das Inverkehrbringen unter den dort festgelegten Bedingungen. Der letzte Stichtag des Vermarktungsverbots für kosmetische Zwecke war 2013. Das ist kein allgemeines Verbot sämtlicher Tierversuche für Chemikalien.
Wasch- und Reinigungsmittel sind außerdem keine Kosmetika. Deshalb lohnt es sich, beim Lesen von „in der EU verboten“ immer nach dem Anwendungsbereich zu fragen.
Warum REACH weiterhin relevant ist
Die REACH-Verordnung, insbesondere Artikel 25, sieht Versuche an Wirbeltieren nur als letztes Mittel vor. Vorhandene Daten und geeignete Alternativen müssen berücksichtigt werden. „Für jeden Stoff ist ein neuer Tierversuch vorgeschrieben“ wäre daher ebenfalls falsch.
Die ECHA-Übersicht zu Alternativen erläutert, wie Unternehmen Sicherheitsinformationen gewinnen können. Dazu gehören die gemeinsame Nutzung vorhandener Daten und geeignete Methoden ohne neue Tierversuche. Welche Methode genügt, hängt von der untersuchten Eigenschaft und den regulatorischen Anforderungen ab.
Wie greifen Kosmetikrecht und REACH ineinander?
Die ECHA erläutert in ihren Hinweisen zum Verzicht auf neue Prüfungen die Schnittstelle: Auch für kosmetisch verwendete Stoffe können unter REACH Daten erforderlich sein, etwa zum Schutz von Beschäftigten oder der Umwelt. Die Verfahren der Beschwerdekammer von 2020 behandeln genau diese Abgrenzung.
Ein Werbesatz wie „Tierversuche sind verboten“ lässt diesen Zusammenhang schnell verschwinden. Ich möchte ihn hier sichtbar machen, ohne daraus eine pauschale Behauptung über jedes einzelne Produkt abzuleiten.
Wie viele Tiere sind betroffen?
Für eine belastbare Zahl müssen Zweck, Zeitraum und Zählweise zusammenpassen. Eine Statistik über sämtliche Tierversuche darf nicht als Statistik allein über REACH ausgegeben werden. Auch Tiere und einzelne Verwendungen sind nicht automatisch dieselbe Zähleinheit.
Darum steht auf unserer Notiz jetzt „Verboten?“ statt einer unzureichend belegten Gesamtzahl. Den rechtlichen Rahmen kannst du direkt in der oben verlinkten Verordnung prüfen.
Was ist mit "cruelty-free" auf der Verpackung?
Ich würde bei einer solchen Aussage konkret nachfragen: Bezieht sie sich auf das fertige Produkt, auf beauftragte Prüfungen, auf Lieferanten oder auf die gesamte Vorgeschichte eines Rohstoffs? Welche Anforderungen stellt ein genanntes Siegel, und ist das Produkt dort tatsächlich gelistet?
Auch „vegan“ und „tierversuchsfrei“ sollten wir nicht als austauschbare Begriffe verwenden. Der eine Hinweis beantwortet nicht automatisch alle Fragen des anderen.
Was MamaWillow konkret tut und nicht tut
Wir lassen unsere fertigen Wasch- und Spülmaschinenblätter nicht an Tieren testen und beauftragen solche Tests nicht. Eine pauschale Aussage über die komplette historische Prüfung jedes Rohstoffs leiten wir daraus nicht ab.
Für mich gehört dazu, die Reichweite unserer Angaben verständlich zu machen. Wenn du zu einem bestimmten Inhaltsstoff oder zu unserer Lieferantenauskunft Fragen hast, schreib uns.
🌿 Bewusst auswählen, ehrlich erklären
Bei unseren Waschblättern findest du Anwendung und Inhaltsstoffe direkt auf der Produktseite. Unsere Angaben zur veganen Formulierung und zur Karton-Verpackung sollen dir die Auswahl erleichtern – mit klar benannten Grenzen.
Was du konkret tun kannst
Frag bei Marken und Siegelanbietern nach dem genauen Umfang ihrer Zusage. Lies bei rechtlichen Behauptungen die Originalquelle mit. Und lass dich nicht davon entmutigen, dass ein Thema mehr als eine kurze Antwort braucht.
Was ich daraus für MamaWillow mitnehme
Eine einfache Frage kann eine komplizierte Antwort haben. Ich möchte dir diese Antwort zugänglich machen, statt dir Sicherheit vorzuspiegeln, die eine Zahl oder ein Logo allein nicht geben kann.
Fazit: Genauer fragen
Der Anwendungsbereich macht den Unterschied: Kosmetikrecht, Chemikalienrecht und die Angaben einer Marke beantworten unterschiedliche Fragen. Unsere Notiz lädt dazu ein, diesen Unterschied nachzulesen.
Mit Liebe, Lena von MamaWillow



