Wenn auf einer Flasche „100 % recycelt“ steht, möchte ich wissen: Was genau ist damit gemeint? Der Flaschenkörper, die ganze Verpackung oder ein bestimmter Materialanteil? Diese Frage ist der Ausgangspunkt meiner Notiz.
Aktualisiert am 11. September 2026: Unbelegte pauschale Zahlen zu Greenwashing-Kosten und Recyclingverlusten haben wir entfernt. An ihre Stelle treten klar zugeordnete Belege der EU-Kommission und die konkrete Beschwerde von BEUC.
Was bedeutet "100 % recycelt" wirklich?
Die BEUC-Kampagne „Unbottling Greenwashing“ nahm 2023 Werbeaussagen auf Wasserflaschen von Coca-Cola, Danone und Nestlé unter die Lupe. Die Beschwerde betraf unter anderem den Bezug von Recyclingangaben auf Flaschenkörper statt auf die gesamte Verpackung sowie den Eindruck eines endlosen, verlustfreien Kreislaufs.
Das ist ein konkreter Verbraucherschutzfall – kein Beleg dafür, dass jede Flasche mit Recyclinganteil Greenwashing ist. Ein genauer Blick auf Deckel, Etikett und Erläuterung gehört deshalb dazu.
Wie funktioniert das PET-Recycling technisch?
Für die Bewertung einer Verpackung hilft mir, drei Aussagen auseinanderzuhalten:
| Aussage | Meine Rückfrage |
|---|---|
| „Recycelt“ | Welcher Anteil welchen Bestandteils besteht aus Recyclingmaterial? |
| „Recycelbar“ | Unter welchen Sammel- und Verwertungsbedingungen? |
| „Umweltfreundlicher“ | Gegenüber welcher Alternative, gemessen woran? |
Diese Fragen ersetzen die frühere Tabelle mit pauschalen Verlustquoten. Ohne eine passende Untersuchung für Material und Verfahren wäre eine feste Prozentzahl pro Recyclingdurchlauf zu weitgehend.
Was sagt die Greenwashing-Statistik?
Die EU-Kommission berichtet aus einer Untersuchung von 2020: 53 % der untersuchten Umweltaussagen waren vage, irreführend oder unbegründet. Für 40 % fehlten unterstützende Belege.
Die Bezugsgröße ist entscheidend: Das sind untersuchte Aussagen, nicht 53 % aller Unternehmen oder Produkte. Daraus lässt sich auch kein jährlicher Milliardenbetrag ableiten. Genau diese Einordnung gehört für mich neben die Zahl.
Was hat die Beschwerde zu Plastikflaschen bewirkt?
Auf ihrer Kampagnenseite dokumentiert BEUC inzwischen Zusagen von Coca-Cola und Nestlé, Teile ihrer Kennzeichnung zu ändern. Die Seite nennt auch offene Fragen. Wer den Stand eines konkreten Verfahrens wissen möchte, findet dort die ursprüngliche Beschwerde und spätere Aktualisierungen.
Das ist für diese Notiz aussagekräftiger als eine Liste unverbundener Millionenstrafen aus anderen Branchen.
Was ist mit der EU Green Claims Directive?
Die Kommissionsseite zu Green Claims beschreibt die vorgeschlagene Richtlinie zur Begründung ausdrücklicher Umweltaussagen. Sie darf nicht mit anderen bereits verabschiedeten Verbraucherschutzregeln gleichgesetzt werden. Unsere frühere pauschale Aussage „2024 verabschiedet, ab 2027 vollständig umgesetzt“ war deshalb nicht korrekt.
Für mich braucht ehrliche Kommunikation ohnehin kein Werben bis zum letzten möglichen Stichtag: Eine Aussage sollte heute verständlich und nachvollziehbar sein.
Wie kannst du Greenwashing hinterfragen?
Meine kleine Checkliste am Regal:
- Geltungsbereich: Geht es um das Produkt, die Verpackung oder nur einen Bestandteil?
- Vergleich: Was ist die Ausgangsbasis für „weniger“ oder „besser“?
- Beleg: Führt ein Link zu einer passenden Untersuchung oder nur zur Startseite einer Institution?
- Aktualität: Welches Jahr, welches Land und welche untersuchte Gruppe sind gemeint?
- Grenzen: Wird erklärt, was eine Zahl oder ein Siegel nicht aussagt?
Ein Naturfoto ist kein Nachweis. Umgekehrt ist ein fehlendes Logo allein noch kein Beweis für Täuschung. Mir hilft es mehr, die konkrete Aussage zu prüfen.
Was MamaWillow konkret macht und nicht behauptet
Wir sprechen bei unseren Wasch- und Spülmaschinenblättern von plastikfreier Karton-Verpackung. Diese Angabe bezieht sich auf die Verpackung und sollte nicht als Aussage über jeden Bestandteil des Produkts verstanden werden. Informationen zu den Inhaltsstoffen findest du direkt bei uns.
Wir leiten daraus weder Klimaneutralität noch ein Gesundheitsversprechen ab. Auch Vergleiche mit anderen Produkten brauchen einen passenden Beleg. Diese Maßstäbe sollen für uns genauso gelten wie für jede Marke, deren Werbung wir betrachten.
🌿 Ein genauer Blick auf unsere Waschblätter
Schau dir Anwendung, Inhaltsstoffe und Verpackung an. Wenn dir eine Angabe fehlt, schreib mir – ich möchte, dass du deine Entscheidung mit einem guten Gefühl treffen kannst.
Was ich daraus für MamaWillow mitnehme
„Plastikfreie Karton-Verpackung“ sagt konkreter, was wir meinen, als ein großes grünes Versprechen. Und eine Zahl mit Quelle ist nur dann hilfreich, wenn die Quelle genau diese Aussage trägt.
Fazit: Genauer hinsehen lohnt sich
Die ursprüngliche Idee dieser Notiz bleibt: Lass uns fragen, was hinter einem Versprechen steckt. Wenn du bei deinen eigenen Verpackungen ansetzen möchtest, findest du hier neun Ideen für weniger Verpackungsmüll.
Mit Liebe, Lena von MamaWillow



